Conrad Felixmueller Es rast die Zeit NeujahrskarteArchiv GSenfNicht der international bedeutsame Künstler Felixmüller, sondern der Mensch Conrad Felixmüller steht hier im Mittelpunkt:

seine Ehe und Familie, verbunden mit Freunden und engen Beziehungen zur unmittelbaren Wohnumwelt in Tautenhain und Umgebung. 1944 verlor er durch Bombenschaden seine Wohnung in Berlin. Er wohnte von 1944 bis 1961 in einem ausgebauten Bauernhof am Rande Tautenhains. Auch nach seinem späteren Wegzug nach Berlin, alljährlich zu Weihnachten/Neujahr, hat er Freunden und Bekannten  aus Tautenhain/Geithain Briefe oder selbstgeschaffene Karten verschickt. Einige Empfänger (z.B. die Familien Stein, Neubert und Schenkel aus Geithain) stellten leihweise Grußkarten zur Verfügung. Man wird diese Bilder sicher nicht in Galerien oder anderen Felixmüller-Ausstellungen sehen können. Zwei Karten seien als Beispiel herausgegriffen:

Bild 1: Links oben wird an seine Arbeit als Professor an der Universität Halle/Saale erinnert. Rechts oben erkennt der Betrachter die Kirche Tautenhain und das Wohnhaus des Künstlers. In der Bildmitte hat er seine Ehefrau Londa im alten VW-Käfer festgehalten. Katze, Henne und Hund sind nicht vergessen worden. Und schließlich rechts der Künstler selbst in einer Haltung, die der Bildunterschrift entspricht: “Es rast die Zeit,  wir immer hinterdrein, voll Hoffnung in das neue Jahr hinein.“  Den alten VW fuhr ausschließlich Frau Felixmüller! Die Beziehung zur Autowerkstatt Schenkel hatte wohl auch mit der flotten Fahrweise Londa Felixmüllers zu tun. Es gab gelegentlichen Reparaturbedarf. 

Conrad Felixmueller Familie mit Ziege GrusskarteArchiv GSenfBild 2: Im Bild ist auch Ziege „Blanchette“ zu sehen. Frau Felixmüller hatte ein Faible für alles Französische.  Auch die Hausangestellte – „Röschkes Dorle“ für die Tautenhainer  - war für Felixmüllers nicht „Dorothea“, sondern „Dorette“.

 

 

 

Conrad Felixmueller Mutter Diebler vor dem Kirchgang im WinterFoto Archiv GSenfBild 3: Felixmüllers Originaltitel zu dem Bild lautet: „Mutter Diebler vor dem Kirchgang im Winter.“ Die beiden alten Leute waren im Dorf bekannt und geachtet. Robert arbeitete Jahrzehnte als Gemeinde- und Kirchendiener, war der „Grabmacher“ im Dorf und pflegte den Kirchhof. Der Künstler Felixmüller hat Hulda Diebler, ihren festen Gottesglauben und ihre Güte, hervorragend dargestellt. Hulda, mit dem Gesangbuch in der Hand und winterlich angezogen, ist im Begriff, den Gottesdienst in der Tautenhainer Kirche aufzusuchen. Das Lindenaumuseum in Altenburg teilte kürzlich mit, dass die gefälschten Bildtitel „Dorfarme“ und „Bauernstube in Tautenhain“, in der DDR-Zeit bei Ausstellungen verwendet, mindestens seit 2017 der Vergangenheit angehören.

 

Rudolf Stein Conrad Felixmueller1959Foto Archiv GSenfBild 4: Der ehemalige Geithainer Rudolf Stein war mit Felixmüller befreundet und malte selbst etwas. Seine Karrikatur auf Conrad Felixmüller ist 1959 entstanden. Sie erfasst gut, dass Felixmüller gelegentlich in „Ost-West-Fettnäpfchen“ trat.

 

Beitrag für Juli 2022
Geithain im 20. Jahrhundert
von Dr. Gottfried Senf

Das 20. Jahrhundert mit seinen Zäsuren 1918, 1933, 1945 und 1989/90 ist in Familiengesprächen weitaus präsenter als weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Themen. Seit Februar 2019 erscheinen in loser Folge auf der Homepage und im Amtsblatt Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!