PGS Schulbenennung1990 Foto Archiv GSenf {Play}Die LVZ berichtete kürzlich, dass der Schuldirektor der Paul-Guenther-Schule, Gunter Neuhaus, nach 29 Dienstjahren Ende Juli 2021 in den Ruhestand getreten ist. In zwei Veranstaltungen verabschiedete er sich von seinen Schülerinnen und Schülern sowie von seinem Kollegium. Gunter Neuhaus steht an dritter Stelle in der Reihe der langjährigen Schulleiter. Louis Petermann trat nach 32 Jahren 1934 in den vorzeitigen Ruhestand. Paul Hammer leitete die Schule 38 Jahre, als er 1988  regulär in Rente ging. Auf der jüngsten Stadtratssitzung wurde auf Anfrage mitgeteilt, dass es eine offizielle Verabschiedung durch die Stadtverwaltung bisher noch nicht gegeben hat.  

Der zehnjährigen Existenz der Schule wurde nicht besonders gedacht, weil man sich schon auf die 750-Jahrfeier der Stadt 1936 vorbereitete. Louis Petermann hatte für dieses Fest ein Theaterstück geschrieben, welches aber von der örtlichen NSDAP-Leitung wegen Petermanns früherer Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge abgelehnt wurde. Das wird durch einen erst jüngst gefundenen Text in den Familiendokumenten eines Geithainers belegt. Es stützt die bereits vorher bestehende Vermutung, Petermann sei vorzeitig in den Ruhestand eher „gegangen worden.“ 1945 dachte, verständlicherweise, keiner daran, dass vor 20 Jahren die Schule eingeweiht wurde. Das 25. holte man 1950 mit einem großen Park- und Schulfest nach. Dort wurden endlich auch die großen Verdienste Petermanns für Stadt und Schule gewürdigt. Er hatte schließlich den Hauptanteil daran, dass sich Paul Guenther zu dem Geschenk für die Stadt entschlossen hatte. Petermann hat sich über die Verleihung der Ehrenbürgerwürde sehr gefreut und empfand deren Aberkennung nur drei Jahre später niederschmetternd. Er lebte in Geithain zurückgezogen und von der Stadtöffentlichkeit unbeachtet, geschweige gewürdigt, bis zu seinem Tod im Jahre 1964.  Wie einsam muss sich der zuletzt 94jährige in all den Jahren gefühlt haben? Sein Grab auf dem Geithainer Friedhof wird vom Förderverein der PGS gepflegt.   

1955, 1965 und 1975 erinnerte offiziell niemand an den 30., 40. und 50. Jahrestag der Existenz der Schule. Es lebten aber noch viele Geithainer, denen Paul Guenther viel bedeutete. So ist die Bemerkung Paul Hammers in seinem Buch zu erklären: „August 1955…Argumentation zu `Paul-Guenther-Schule` im Pädagogischen Rat.“ Zwanzig Jahre später war der Verdrängungsprozess weiter fortgeschritten und man befand sich schon auf dem Weg zur „Juri-Gagarin-Schule“. Von einzelnen Geithainer Schülern, die von ihren Eltern von „Paul Guenther“ gehört hatten, ist aber – wenn auch erfolglos – gefragt worden, ob man an den 50. Jahrestag offiziell erinnern wolle. Höhepunkt der Tabuisierung Guenthers war aber 1985, der 60. Gründungstag.  Der Schulbau 1925 und der Schulstifter wurden in der Festschrift zur 800- Jahrfeier der Stadt 1986 mit keinem Wort erwähnt. Im 65. Jahr der Existenz erhielt die Schule 1990 wieder ihren alten Namen. Das 70. Weihejubiläum wurde dann in großer Form begangen, zumal dort Frau Vanderbilt mit Familie als Gäste begrüßt werden konnten. Zur großen Überraschung aller setzte sie die Spendentradition ihres Großvaters bis dato in großzügiger Weise fort. Auch der 80. und 90. Jahrestag wurden in würdiger Weise begangen. In wenigen Jahren werden Stadt und Schule 100 Jahre Paul-Guenther-Schule feiern. Es ist zu hoffen, dass sich die Kommunikation und Transparenz zwischen der Stadt als Schulträger auf der einen sowie Schulleitung und Förderverein auf der anderen Seite in der Zeit bis 2025 wesentlich verbessert. Leider kam es im März dieses Jahres nicht zu einem gemeinsamen Grußschreiben zum 98. Geburtstag Frau Vanderbilts durch die beiden Empfänger (Stadt, Förderverein) der erheblichen Spenden seit 1995.

Geithain im 20. Jahrhundert

von Dr. Gottfried Senf

Das 20. Jahrhundert mit seinen Zäsuren 1918, 1933, 1945 und 1989/90 ist in Familiengesprächen weitaus präsenter als weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Themen. Seit Februar 2019 erscheinen in loser Folge auf der Homepage und im Amtsblatt Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!