Freibad Geithain Bau1969 vomDiaGeithainer Badefreuden einst und jetzt (Teil 3)
Ein neues Geithainer Freibad entsteht

Der Wunsch vieler Geithainer nach einer zeitgemäßen, öffentlichen Badegelegenheit wurde immer intensiver. Das alte Bad von 1913 im Oberfürstenteich hatte nun wirklich ausgedient, eine Modernisierung dieser Einrichtung kam nie in Frage. Ein neues Bad, nicht wieder im, sondern am Oberfürstenteich errichtet, stand seit Anfang der 1960er Jahre immer mal wieder zur Debatte.

 

Geithain war seit 1952 Kreisstadt. Der häufige Wechsel im Bürgermeisteramt seit 1945 bis in die 1950er Jahre hinein war inzwischen auch Vergangenheit. Seit 1959 leitete Silvester Poschmann als Bürgermeister die Geschicke der Stadt. Die Eröffnung des neuen Freibades, fast genau 10 Jahre nach seinem Amtsantritt, war nicht nur für ihn persönlich, sondern für alle Geithainer ein ganz besonderes Erlebnis. Herr Poschmann steht mit 25 Amtsjahren an zweiter Stelle in der Liste der langjährigen Bürgermeister der Stadt, hinter Friedrich Bauer mit 37 Jahren (1862 -1899). Als er aus Krankheitsgründen 1984 sein Amt abgeben musste, blieb der Badbau 1967-69 auch vor dem Hintergrund seiner 25 Dienstjahre für ihn ein herausragendes Ereignis!

Im Frühjahr 1967 begannen die Arbeiten mit dem Ausheben der Gruben für die künftigen Becken. Es gab viele skeptische Stimmen, da eine für die damalige Zeit neue Baumethode für Freibäder Anwendung fand. Die Beckenwände waren abgeschrägt, denn alles wurde mit Folien belegt. Die Baukosten waren mit 2 Millionen Mark veranschlagt. Zur Verfügung standen 500.000 Mark aus einem entsprechenden Fonds beim Rat des Bezirkes Leipzig. 500.000 Mark betrug der Eigenbeitrag der Stadt Geithain. Die Finanzierungslücke von 1 Million Mark wurde geschlossen! Auf welche Weise, ist heute für jüngere Geithainer oder aus Westdeutschland Zugezogene schwer verständlich. Der Bau des Bades erfolgte außerhalb der staatlichen Baukapazität.     

Es war ein Projekt im Rahmen des "Mach mit-Wettbewerbes"! Heutige Geithainer, die 1967 bis 1969 die oberen Klassen der Geithainer Schule besuchten, erinnern sich an die vielen Arbeitseinsätze unten an der Baustelle: Schachten, Planieren, Streichen, Räumen u.a..  Unterstützung gaben die Betriebe der Stadt mit ihrer Technik. So half vor 50 Jahren als erster das Baustoffkombinat mit seiner Raupe beim Bewegen der Erdmassen. Das Wort "Feierabendbrigaden" mag wohl auch in diesen Jahren entstanden sein. Es bildeten sich Gruppen von Facharbeitern, die nach Feierabend und an Wochenenden die jeweils notwendigen Arbeiten auf der Baustelle ausführten und meist auch an Ort und Stelle ihren Lohn "auf die Hand" ausgezahlt bekamen. All das musste durch die Stadt organisiert und koordiniert werden. Der Bürgermeister war in solchen Zeiten dann eher "Bauleiter". Kommunales Bauen in DDR-Zeiten hatte nun einmal seine Besonderheiten. Auftragsvergabe an die günstigste in der Palette der anbietenden Baufirmen, Auswahl aus einem riesigen Angebot an Materialien und Gestaltungsmöglichkeiten - heute alles selbstverständlich, damals ein unerfüllbarer Wunsch.  

Geithain im 20. Jahrhundert von Dr. Gottfried Senf

Die Geithainer Zeitgeschichte ist seit vielen Jahren Gegenstand der Forschungsarbeit des Heimatvereins. Die Zeit unserer Eltern und Großeltern in dieser Stadt ist zwar Geschichte, interessiert manchen aber mehr als sehr weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Vorgänge, Ereignisse und Personen. In den folgenden Monaten werden an dieser Stelle in loser Folge Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte veröffentlicht. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-Mail an:

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