Stolperstein Walter Paul Rudolph BruchheimerStr14Eine Projektgruppe des Internationalen Geithainer Gymnasiums, bestehend aus Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren, forschte gemeinsam mit ihren Lehrern Marcel Gut und Sebastian Roscher seit einem Dreivierteljahr zu Krankenmorden während der Zeit des Nationalsozialismus und dokumentierte die Ergebnisse. Unterstützt wurde sie dabei von Mitarbeitern des Erich-Zeigner-Hauses e.V. Leipzig, dem Flexiblen Jugendmanagement des Landkreises Leipzig und dem Geithainer Heimatverein e.V. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Landespräventionsrates des Freistaates Sachsen.
Die Jugendlichen stützten sich bei ihren Recherchen auf Akten aus dem Geithainer Stadtarchiv, aus dem Geithainer Kirchenarchiv und vor allem aus dem Staatsarchiv Leipzig, wo sie selbst Einsicht nahmen. Im Leipziger Neuen Rathaus besichtigten sie die Ausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“. Eine Exkursion führte zur ehemaligen Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein.
Auch an einer Kleinstadt wie Geithain gingen die Gräueltaten der Nationalisten nicht vorüber: Zwischen 1933 und 1945 wurden mehr als 50 behinderte Geithainer nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933“ zwangssterilisiert. Im Rahmen der „Aktion T4“ wurden drei Geithainer ermordet, da ihr Leben als „unwert“ bezeichnet wurde. Zwei von ihnen kehrten aus dem Ersten Weltkrieg traumatisiert zurück, der dritte litt an Epilepsie.
Mit Unterstützung der Künstlerin Karoline Schneider und Mitgliedern des Vereins Schweizerhaus Püchau e.V. gestalteten die Schülerinnen und Schüler einen Film und eine Ausstellung im Geithainer Heimatmuseum, die vom 16. März bis Ende Mai von zahlreichen Interessierten besucht wurde.
Ziel dieses Projektes „Nicht vergessen – auf den Spuren der Opfer nationalsozialistischer Krankenmorde und Zwangssterilisation in Geithain“ ist es, den Opfern wieder einen Namen zu geben. Am 12. Mai wurde im Beisein von über 50 Anwesenden jeweils ein Stolperstein für die drei ermordeten Geithainer auf dem Fußweg vor ihrer letzten Wohnstätte durch den Künstler Gunter Demnig verlegt:
  • in der Chemnitzer Straße 13 für den Bäcker Georg Förster, geboren 1894 in Geithain, ermordet am 30. August 1940,
  • im Rosental 3 für den Glaser Max Arthur Franz, geboren 1898 in Geithain, ermordet am 7. Juni 1940, angeblich gestorben wegen einer mit einer Schizophrenie einhergehenden „Bauchfellentzündung“,
  • in der Bruchheimer Straße 14 für den aus einer kleinbäuerlichen Familie stammenden Walter Paul Rudolph, geboren 1906 in Hermsdorf/Frauendorf, ermordet am 8. August 1941, angeblich an einem „epileptischen Anfall“ gestorben.
Auf den 10 x 10 cm großen Stolpersteinen ist jeweils eine Messingplatte mit den vom Künstler eingravierten wichtigsten Lebensdaten (Geburtsjahr, Datum der Zwangssterilisierung, Datum der Einweisung in eine Anstalt, Datum und Ort der Ermordung) zu lesen. Die Schülerinnen und Schüler und viele Anwesenden legten an den Stolpersteinen eine weiße Rose nieder und entzündeten Kerzen.
Die Idee der Steine ist, wortwörtlich zu „stolpern“, und zwar über das Schicksal der Menschen. Zum Lesen der Inschrift muss man sich bücken und man verbeugt sich symbolisch vor den Toten.
Für die Finanzierung der Stolpersteine stehen leider keine Fördermittel zur Verfügung. Und da es sich abzeichnet, dass es in Geithain noch weitere Opfer gab, bitten wir für dieses und künftige Projekte um Ihre finanzielle Hilfe. Ihre Spenden überweisen Sie bitte auf das Konto des Geithainer Heimatvereins bei der Leipziger Volksbank eG:
IBAN:    DE62 8609 5604 0002 5516 24
BIC:        GENODEF1LVB
Verwendungszweck: Stolpersteine
Vielen Dank!
Bernd Richter, Geithainer Heimatverein e.V. 
 
Stolperstein Max Arthur Franz Rosental3Stolperstein Georg Foerster ChemnitzerStr13

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