Altes Trafohaus der LUK Breitenborn umgenutztes Buswartehaus Foto Gottfried Senf2019„Energiewende“, „Strompreise“, „günstigster Anbieter“ – diese und andere Begriffe sind gegenwärtig in aller Munde! Vor reichlich hundert  Jahren erregte der Aufbau eines zentralen „Überlandnetzes“ zur Versorgung der Städte und Gemeinden mit elektrischer Energie ebenfalls die Gemüter. Ein dicker Ordner im Geithainer Stadtarchiv gibt uns Auskunft über die damalige Entwicklung. Es existieren ausführliche Sitzungsprotokolle des Elektrizitätsverbandes Borna-Grimma-Rochlitz sowie viele Geschäftsberichte der „Licht und Kraft G.m.b.H.“ Letztere wurde sowohl in amtlichen Dokumenten wie auch im damaligen Sprachgebrauch einfach „LUK“ genannt. Bereits seit Sommer 1909 gab es Beratungen zwischen den Amtshauptmannschaften Borna, Grimma und Rochlitz über eine zu errichtende „Überlandzentrale“. Dem Elektrizitätsverband sollten Städte, Gemeinden und Gutsbezirke dieser Region angehören. Alle Verhandlungen, auch unter Teilnahme von Stadt- und Gemeindevertretern, waren erfolgreich. Im Juni 1911 wurde die  Satzung des Verbandes durch das entsprechende Ministerium in Dresden genehmigt. Am 9. Juli 1912 heißt es in einem Verbandsbericht: „… Bei Gründung des Verbandes haben allein im Bezirk Borna 197 Gemeinden ihren Beitritt erklärt. …es ist zu hoffen, dass ein Teil der Gemeinden vom 1.10.12  ab mit Licht und Kraft versorgt werden kann.“ Der Geithainer Bürgermeister Höfer war über mehrere Jahre Mitglied im Aufsichtsrat des Gemeindeverbandes. Dieser Elektrizitätsverband sollte nicht unternehmerisch auftreten. Dazu wurde im Herbst 1911 die „Licht und Kraft G.m.b.H.“ mit Sitz in Borna gegründet. Der Betrieb übernahm die Trassierung, den Bau der Leitungen einschließlich der Transformatorenhäuser in den Gemeinden, die Unterhaltung der Anlagen und den Verkauf des Stromes. Die Arbeit der LUK erstreckte sich über mehrere Jahre. Beitritt einer Gemeinde zum Elektrizitätsverband bedeutete keinesfalls, dass gleich alle Häuser des jeweiligen Ortes angeschlossen waren. Die LUK warb natürlich auch, wie aus einem Rundschreiben der Gesellschaft vom 1. Mai 1912  an die Gemeinden hervorgeht: „ …Anlagen jetzt bestellen, da aller Voraussicht nach die Installationen in den nächsten Jahren teurer werden. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie in Ihrer Gemeinde hierüber belehrend wirken wollten.“ Es gab zwar damals schon einige Anbieter, die LUK hatte jedoch fast das Monopol, denn der Gemeindeverband war ein Gesellschafter der LUK! Wie und wann sich der Netzanschluss gestaltete, erfahren wir aus Einzeldokumenten. Der Bau des Trafohauses in Wickershain wird am 13. Januar 1913 beendet. Immerhin wird hier auch schon über acht Brennstellen der Straßenbeleuchtung verhandelt. In den „Nachrichten für Bad Lausick“ vom 28. Dezember 1915 steht u. a.: „Am 1. Weihnachtsfeiertage erstrahlte im Abendgottesdienst unser Gotteshaus zum ersten Male in heller elektrischer Beleuchtung. In praktischer Weise hat man dieselbe in die bisher zur Kerzenbeleuchtung dienenden Beleuchtungsarme eingelegt.“ Ein Beispiel dafür, dass auch einzelne Gutsbezirke für sich Antrag auf Anschluss stellten, ist das von Einsiedelsche Gut in Syhra. Es erhielt 1912 eine Leitung von Frohburg aus.

Geithain gehört zu den oben erwähnten Gemeinden, die ab Oktober 1912 an das Netz angeschlossen wurden. Besser sollte formuliert werden: Die ersten Verbraucher erhielten ab Oktober 1912 ihren Anschluss. In Martin Dieblers „Erinnerungen“ heißt es zu Tautenhain, dass die LUK  erst 1918 ihre Arbeit hier beendete. Was sich etwa ab 1910 bis zum Ende des Jahrzehnts in unserer Region vollzog, ist im Prinzip gültig für ganz Sachsen. Es kam jedoch auch vor, dass frisch gegründete Elektrizitätsgesellschaften nach kurzer Zeit Konkurs anmelden mussten. Die LUK war offensichtlich erfolgreich, wie aus einem Bericht hervorgeht: „Den Gesellschaftern sind auf 1913/14 zwei Prozent Dividende gezahlt worden.“ Die damals von der LUK errichteten Transformatorenhäuser konnte man über viele Jahrzehnte in jedem Ort sehen. Mit steigendem Verbrauch an elektrischer Energie waren leistungsfähigere Trafos notwendig. Es gibt nicht mehr viele Städte und Gemeinden, wo sich die typischen LUK-Trafohäuser erhalten haben. Niederfrankenhain und Breitenborn sind zwei Beispiele. Das Bild zeigt das Trafohaus in Breitenborn. Es dient heute als Bus- Wartehäuschen. Die ENVIA Mitteldeutsche Energie AG versorgt heute die Geithainer Region mit Elektroenergie.   

Geithain im 20. Jahrhundert

von Dr. Gottfried Senf

Die Geithainer Zeitgeschichte ist seit vielen Jahren Gegenstand der Forschungsarbeit des Heimatvereins. Die Zeit unserer Eltern und Großeltern in dieser Stadt - für die heute Jüngeren zählen auch deren Urgroßeltern dazu - ist zwar Geschichte, interessiert manchen aber mehr als sehr weit in der Stadtvergangenheit zurückliegende Vorgänge, Ereignisse und Personen. In den folgenden Monaten werden an dieser Stelle in loser Folge Beiträge zur Geithainer Zeitgeschichte veröffentlicht. Besonders erfreulich ist, dass der junge Geithainer Lehrer Marcel  Gut, zusammen mit seinen Schülern, die Tradition der Geithainer Zeitgeschichtsforschung erfolgreich weiterführt. Hinweise, Ergänzungen oder Fragen zu den Quellen bitte über E-mail an:

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