Geithainer Heimatverein legte Rechenschaft ab über das vergangene Jahr und wählte den Vorstand neu
Zur Jahreshauptversammlung im Januar legte der Vorstand des Geithainer Heimatvereins zunächst Rechenschaft über das vergangene Jahr ab. Zusammenfassend konnte der Vorsitzende Bernd Richter eine überaus positive Bilanz ziehen. Dem Verein gehören 46 Mitglieder (Durchschnittsalter 74 Jahre) an, von denen einige, in den westlichen Bundesländern Wohnende ihre Verbundenheit mit der alten Heimat pflegen. Im Mittel besuchten 30 Mitglieder und Gäste die monatlichen Veranstaltungen. Großes Interesse fanden insbesondere die Vorträge von Ralf Niemann über seine archäologischen Funde bei der Straßenbauarbeiten in der Nikolaistraße, von Dr. Gottfried Senf über „Therese Roßbach und der Arvedshof in Elbisbach“, der interessante Reisebericht „Von Buenos Aires über die Falklandinseln nach Südgeorgien am Rande der Antarktis" von Jürgen Feilotter; Marcel Gut sprach zum Thema „Jüdische Menschen während der NS-Zeit in der Geithainer Umgebung“, Dr. Hans-Jürgen Ketzer über „Die Herren von Einsiedel aus der Gnandsteiner Linie in den Napoleonischen Kriegen“ und Ilona Denecke stellte ganz aus ihrer eigenen Sicht die Geschichte der Kreispoliklinik Geithain dar. Sehr beliebt sind auch jedes Jahr die Exkursionen: 2018 ging es mit dem Kohrener Landexpress nach Tautenhain zur Jakobuskirche und anschließend zum früheren Rittergut und der St. Annenkirche nach Prießnitz; die zweite Ausfahrt führte zum Störmthaler See mit einer Überfahrt zur „Vineta“. Auf Einladung des Vereins Historischer Bergbau Seelitz konnten wir die Freilegung eines alten Stollens aus dem 16. Jahrhundert besichtigen.
Sehr wichtig war uns im vorigen Jahr das Gedenken an den beim Volksaufstand in der DDR vor 65 Jahren am 17. Juni 1953 von den Sowjets ermordeten Geithainer Arbeiter Eberhard von Cancrin. Hartmut Rüffert stellte uns den Film eines schwedischen Fernsehteams „Spurensuche“ aus dem Jahre 1990 über die Hintergründe dazu vor. Am 17. Juni konnten wir im Beisein seiner beiden Töchter und der Enkel in würdigem Rahmen gemeinsam mit Bürgermeister Frank Rudolph einen Gedenkstein in der Bahnhofstraße/Stadtpark gegenüber dem ehemaligen Wohnhaus von Eberhard von Cancrin einweihen. Die Schülerin des Gymnasiums Olivia Winkler berichtete ausführlich über ihre Forschungsarbeit zu diesem Thema.
Mit großer Trauer mussten wir den Tod unseres Anfang der 1950er Jahre nach Kanada ausgewanderten Ehrenmitgliedes Ulrich Joachim (John) Sommer zur Kenntnis nehmen. Er starb am 2. April im Alter von 91 Jahren. Sein Tod bedeutet für die Geithainer Heimatforschung ein großer Verlust; John Sommer trug wesentlich zur Auffindung der Enkelin des Schulgründers Paul Guenther, der heute in London lebenden Virginia Vanderbilt (95), bei. Ihr war im September 1995 auf Beschluss des Stadtrates die Ehrenbürgerwürde von Geithain verliehen worden. Die Familie Vanderbilt hat in den letzten 20 Jahren durch jährliche großzügige finanzielle Beträge die frühere Spendentätigkeit der Familie Guenther zur Förderung der Paul-Guenther-Schule fortgesetzt.
   Unser Gründungsmitglied Hildegard Höhle starb am 21. März, sie wurde 81 Jahre alt. Anfang der 1990er Jahre hatte sie die Trachtengruppe als Untergruppe des Heimatvereins ins Leben gerufen. Über all die Jahre nahmen die Mitglieder unter ihrer Leitung mit großem Erfolg sachsenweit an Heimatfesten, am „Tag der Sachsen“ und auch an Festen in der Partnergemeinde Veitshöchheim teil. Die Trauerfeier in der Marienkirche und die anschließende Beisetzung auf dem Wickershainer Friedhof erfolgte unter großer Anteilnahme vieler Geithainer, insbesondere Wickershainer. Nach dem Tode von Hildegard Höhle müssen wir leider konstatieren, dass die Trachtengruppe – auch weil viele Mitglieder aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr teilnehmen können – aufgehört hat zu existieren.
Beschlossen wurde die Jahreshauptversammlung mit der Neuwahl des Vorstandes. Ihm gehören für die nächsten zwei Jahre an: Bernd Richter (Vorsitzender), Dr. Thomas Arnold (Stellvertreter), Margitta Graich (Finanzen), Petra Röder (Schriftführer) und die Beisitzer Margit Schnabel sowie neu Ralf Niemann und Ulrich Ibrügger. Den beiden ausgeschiedenen Mitgliedern Linda Herrmann und Dietmar Tennhardt wurde für ihre langjährige Mitarbeit der Dank ausgesprochen.
Die Zusammenarbeit mit Schülern hat große Bedeutung für unsere Vereinstätigkeit. Nur so können wir erreichen, dass in den Jugendlichen die Heimatliebe geweckt bzw. erhalten wird, dass sie sich für unsere Heimatgeschichte und deren Erforschung interessieren und so später einmal unsere Bestrebungen fortgesetzt werden. Eine Gruppe von ca. 15 Schülern der 9./10. Klasse des Geithainer Gymnasiums beschäftigt sich gegenwärtig unter Anleitung ihres Lehrers und Mitglied im Geithainer Heimatverein Marcel Gut mit der Euthanasie Behinderter während des NS-Zeit. Neben ca. 50 Sterilisationen wurden auch drei Geithainer von den Nazis in der Gaskammer umgebracht. Es ist vorgesehen, für diese Personen Stolpersteine zu verlegen.
In diesem Jahr erinnern wir uns in Vorträgen unter anderem an die Friedliche Revolution vor 30 Jahren, an den 30-jährigen Krieg vor 400 Jahren, an das Ende des 1. Weltkrieges und die Novemberrevolution vor 100 Jahren, jeweils natürlich mit Bezug zu Geithain. Auch wird es wieder Exkursionen geben, so im Juli zur Burg Gnandstein. Zu allen Veranstaltungen sind immer auch interessierte Gäste eingeladen.
Die vom Geithainer Heimatverein herausgegebene Schriftenreihe „Vom Turm geschaut“ beabsichtigen wir im Herbst dieses Jahres mit dem Heft 17 fortzusetzen. Es soll ein Sonderheft mit alten Geithainer Stadtansichten werden, wobei wir insbesondere auf die umfangreiche Ansichtskarten-Sammlung von Ulrich Ibrügger zurückgreifen können.
Bernd Richter

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