Freibad Geithain1000AndreasRaetsch2021Viele Geithainer können sich noch an das Jahr 1969 erinnern, als nach großem Einsatz fleißiger Freiwilliger und viel Engagement in der Bevölkerung das Freibad Geithain eröffnet werden konnte. Eine echte Errungenschaft. Vermutlich jedes Kind der Stadt und der näheren Umgebung hat seit dem die Freizeit sowie die Ferien im Sommer in großen Teilen dort verbracht. Mit dem Ende der DDR, zwanzig Jahre später, konnte man jedoch schon einen Verschleiß der Anlagen erkennen, welches ein langsames Nachdenken bezüglich einer Sanierung des Freibades in Gang brachte. 1999 war es dann soweit. Die Stadt Geithain ließ die Freibadbeckenanlage und die entsprechende Badtechnik aufwendig erneuern. Leider fehlten dabei einige Attraktionen sowie die Selbstverständlichkeit eines jeden Bades, einer Rutsche. Auch bei der Auswahl des neuen Beckenmaterials aus Kunststoff hatte man kein Glück. Heute nach rund zwanzig Jahren zeigen sich an den Becken Probleme, wie offene Schweißnähte und poröse Stellen. Undichtigkeiten, Wasserverluste sowie schwierige und jährliche kostspielige Sanierungen sind dadurch die Folge. Das Freibad Geithain braucht daher eine zeitnahe Erneuerung, damit die nächsten Generationen der Stadt, wieder eine öffentliche Badeeinrichtung vorfinden. Dabei geht es nicht nur um Spiel und Spaß im Wasser, sondern auch um eine kindgerechte Wasserhygiene, das Erlernen des Schwimmens, sportliche Betätigung und das Zusammenkommen der Geithainer Bevölkerung. Fernöstliche Billigpools aus dem Lebensmitteldiscounter oder dem Baumarkt können dieses wohl kaum leisten. Im letzten Stadtrat wurden durch den Oberbürgermeister, Herrn Rudolph bereits Informationen aus der Stadtverwaltung zur Erneuerung des Freibades gegeben. Diese sollen hiermit nochmals allen interessierten Bürgern der Stadt ans Herz gelegt werden.

Mit dem geplanten Ausstieg der Bundesrepublik Deutschland aus der Energiegewinnung mit Braunkohle hat die Stadt Geithain die Möglichkeit, Fördermittel im Rahmen der Umsetzung des Strukturstärkungsgesetzes in den Kohleregionen in Anspruch nehmen zu können. In erster Linie sollen die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel neue Arbeitsplätze ermöglichen, weiter aber auch nachhaltige und alternative Energieerzeugung, die Digitalisierung, usw. voranbringen.

Um die entsprechenden Fördermittel für die Freibaderneuerung nutzen zu können, ist daher eine Weiterentwicklung und Neuschaffung einer touristischen Infrastruktur am Oberfürstenteich bzw. im Freibad in Geithain notwendig. Die Stadt Geithain möchte hierfür das Thema Tourismus, Wasser und biologische Energieerzeugung in eine Gesamtidee „Freizeit und Urlaub im Biothermalpark“ zusammenfassen. Das bedeutet, bereits bei der Anreise umweltschonend unterwegs zu sein sowie naturnahe und umweltfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden zu können. Gleiches gilt für die touristischen Attraktionen, Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten die entstehen werden und das Ziel eines ökologischen und sanften Tourismus verfolgen sollen.

Am nördlichen Zugangsbereich des Biothermalparks wird ein neuer, großzügiger Fahrradstellplatz entstehen. Für E-Bikes werden dabei E-Ladesäulen vorgesehen. Östlich des Oberfürstenteiches plant die Stadt Geithain den Ausbau eines Stellplatzbereichs für Pkw und Wohnmobile. Für eine elektromotorisierte Anreise werden zwei E-Ladesäulen durch die EnviaM aufgestellt. Die Stellplätze der Wohnmobile erhalten Anschlusssäulen für Strom, Trinkwasser und Abwasser.

Die neuen Übernachtungsunterkünfte im Biothermalpark sollen den verschiedenen Reise- und Urlaubserfordernissen der Reisenden und Touristen entsprechen. Dabei ist zwischen Angeboten für Kurzübernachtungen, Kurzurlauben sowie Familien- oder Gruppenurlauben zu differenzieren. Für Kurzübernachtungen für Wanderer oder Radwanderer werden Podhäuser geschaffen.

Das sind sehr einfach gehaltene Holzhütten mit einem Vorraum und einem Schlafabteil für Kurzübernachtungen von bis zu 2 Personen. Die Unterkünfte für Kurz- und Familienaufenthalte werden ebenfalls in Form von Big-Podhäusern errichtet. Diese sind allerdings mit zusätzlichem Komfort ausgestattet, was sich durch ein Aufenthaltsabteil, eine Kochnische, einem Bad- und WC-Abteil, einer Veranda sowie einer Vollisolierung des Podhauses zeigt.

Für größere Gruppen, Schulklassen oder Kindergartengruppen ist die Errichtung von mehreren Tipi-Zelten für je 6 - 8 Personen angedacht. Für die reisenden Kurzurlauber bzw. größeren Gruppen werden im neuen Sozialgebäude des Biothermalparks die notwendigen Umkleide- und Sanitäranlagen entsprechend eingerichtet.

Die neuen Attraktionen im Biothermalpark werden mit der Erneuerung der Badebeckenanlage mit Breitrutsche, einem neuen Abenteuerspielplatz, einem kleinen Seilkletterpark, einem Beachvolleyballplatz und Outdoortischtennisplatten sowie mit einem Grillplatz mit Grillkamin und einer witterungsunabhängigen Grillkota geschaffen.

Zur Erholung, Entspannung und Gesunderhaltung der Reisenden, Urlauber und Besucher ist geplant, zwei Saunafässer mit Betreibung einer Biosauna und einer finnischen Sauna aufzustellen. Des Weiteren sollen neben den Saunas ein Badefassjacuzzi sowie eine separate Outdoordusche entstehen.

Als Besonderheit plant die Stadt Geithain, in Zusammenarbeit mit einem in der Nähe befindlichen Agrarbetrieb, die Errichtung und Betreibung einer Nahwärmeleitung, um Wärmeenergie im Biothermalpark nutzen zu können. Die Wärme entsteht dabei nachhaltig und CO2-neutral aus Biomasse in einer Biogasanlage, welche durch den Agrarbetrieb selbst betrieben wird. Mit der gelieferten Biowärme sollen das Badewasser der Beckenanlage, die Saunas, die Podhäuser sowie die Sanitäranlagen im Sozialgebäude und im Saunabereich gespeist werden. Die Nutzungszeit der Außenanlagen, aber auch das gesamte Angebot des Biothermalparks erhält somit eine deutliche Verlängerung der Freiluftsaison bzw. auch eine saisonale Verlässlichkeit in der Betreibung.

Unter besonderer Berücksichtigung einer ökologischen Didaktik sollen auch ein Wasser- sowie ein Bioenergielehrpfad entstehen. Die beiden Attraktionen stehen dabei allen interessierten Reisenden und Besuchern wissenswert, aber auch spielerisch beim Thema Ökologie und Nachhaltigkeit zur Verfügung.

In Beachtung der zu erwartenden Gäste- und Besucherzahlen wird auch das gastronomische Angebot im Biothermalpark erneuert. Dazu wird das Sozialgebäude des Biothermalparks neu errichtet. Wie bereits genannt, erhält das Sozialgebäude neue Umkleide- und Sanitäranlagen um den Anforderungen der Radtouristen und Gruppentouristen zu entsprechen. Weiterhin wird ein großer Gastraum für Innengastronomie sowie ein neues Restaurant mit Selbstbedienungstheke, Küche und Kühlzelle integriert. Vor dem Sozialgebäude wird ein Freisitz für außengastronomische Angebote angeschlossen. Im Bereich der Tipi-Zelte wird eine neue Grillkota aufgebaut, sodass die Möglichkeit besteht, bei jedem Wetter gastronomische Höhepunkte für die Touristen und Besucher anzubieten.

Die Stadtverwaltung Geithain wird zeitnah das Projekt der neu gegründeten Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung vorstellen und die notwendigen Schritte zur Erreichung eines Fördermittelbescheides aufnehmen. Dabei ist ein Zeitraum für die erhoffte Umsetzung der Freibaderneuerung bis zum Jahr 2025 vorgesehen. „Neue Aussichten für das Freibad Geithain“.

 

Artikel: Andreas Rätsch, 2021